Richtspruch der Zimmerei Albert & Haußner

 

Es ist ein schöner, alter Brauch
und nebenbei recht lustig auch,

des Hauses Richtfest zu begeh´n,

wenn erst einmal die Sparren steh´n.

 

Der Maurer kam mit frohem Sinn,

hub aus die Erde, warf sie hin,

und mit Motorenkraft sodann

schleppt  Steine man und Holz heran.

 

Und eines Morgens war´s so weit:

Es rückten an die Zimmerleut´,

sie fügten kunstvoll und mit Stolz

zu edler Form das Dach aus Holz.

 

Und wie zu unsrer Väter Zeiten

des Waldes Äste schützend breiten

sich über Grab und Wiege aus,

so schirmt der Wald auch dieses Haus.

 

Der edle Baustoff Holz, er lebt:

Der Waldgeist seine Seele webt.

Wer dies erkannt und eingeseh´n,

der baut nicht „sachlich“, sondern „schön“.

 

Drum wünsche ich dem Architekten Glück,

der Bau hier ist ein Meisterstück.

Der Baukunst, die gesund und echt

Gefühl besitzt für gut und schlecht.

 

Der Maurer sei sodann gedacht:       

Das Mauerwerk ist recht gemacht,

die Wände und Decken stehen gut,

das schöne Heim drauf sicher ruht.

 

 

Doch wenn der Zimmermann nicht wär´,

wo käm´ ein solcher Prachtbau her?

Wir Zimmerleut, wir sind halt Leut´,

und solch ein Bauwerk macht uns Freud´.

 

Oh je, wie haben wir uns müssen plagen,

Balken zu schleppen und Sparren zu tragen!

Das Knarren will mir von dem Bohren,

bis zu dieser Stunde nicht aus den Ohren.

 

Im Kreuze hab ich`s noch vom Sägen,

und tu ich alles recht erwägen,

so bleibt mir das Wasser vom Schwitzen

mein Lebtag wohl am Kittel sitzen.

 

Drum hoff ich jetzt, dass der Bauherr uns

dafür bedenkt mit seiner Gunst

und nachher ein Fass Bier lässt laufen,

dann wollen wir mal wacker saufen!

Sollte dieses aber der Fall nicht sein,

dann fall der Bau auf der Stelle ein –

doch erst wenn ich hinunter bin!

Dann reisen wir halt woanders hin.

 

Ihr Leute merkt es euch genau,

zum Bauen sind gar Drei vonnöten,

der Architekt, dazu der Handwerksmann

vom Bau und nicht zuletzt

der Mann mit den Moneten.

 

Stolz nehm ich das Glas und trinke es aus,

ein Hoch den Bauleuten Allerwegen

ein Hoch den Bauherrn und dem Haus,

verbunden mit viel Glück und Segen

zerschmettere das Glas, mein Spruch ist aus,

wir brechen auf zum Richtfestschmaus.